Führerstandfahrten mit der Dampflok "Langnau" in Huttwil
Geniessen Sie eine Führerstandfahrt mit der 144 jährigen Dampflok "Langnau" und erleben Sie hautnah unter welchen Bedingungen die Lokführer und Heizer vor über 140 Jahren gearbeitet haben.

Die älteste Lok in unserem Depot ist eine Leihgabe des Verkershaus der Schweiz
Geschichte
Die Ed 3/3 Nr. 3 „Langnau“ wurde 1881 von der Schweizer Lokomotiv- und Maschinenfabrik SLM in Winterthur für die 1875 eröffnete Emmentalbahn E-B gebaut. Sie entstammt einer Serie von Dampflokomotiven, die zwischen 1874 bis 1892 für die E-B, sowie für die Tösstalbahn gebaut wurden und als eine der ersten bewährten Lokomotivtypen der noch jungen SLM (Gründung 1871!) gilt. Insgesamt wurden 9 Lokomotiven gebaut, 4 davon für die E-B. Die Schwesterlokomotiven Nr. 1 „Solothurn“ und Nr. 2 „Burgdorf“ wurden in den 20er Jahren nach Italien verkauft und Nr. 4 „Gerlafingen“ in den 30er Jahren zusammen mit der „Langnau“ ausrangiert. 1902 wurden die Lokomotiven der Emmentalbahn mit der Westinghousebremse ausgestattet. Zuvor waren sie lediglich handgebremst mit Exter’schem Wurfhebel. 1909 erhielt die „Langnau“ ihren zweiten Kessel, der eine Betriebsdrucksteigerung von 10 auf 12 atm. mit sich brachte.
Nach der Ausmusterung bei der Emmentalbahn im Jahr 1933 aufgrund der Elektrifizierung gelangte die „Langnau“ als Werkslokomotive zum Stahlwerk Von Roll (heute Stahl Gerlafingen). Aus der Zeit im Stahlwerk sind uns leider nicht viele Informationen bekannt. Die Lok wechselte jedoch in den 50er Jahren den Besitzer und ging als Schenkung an die Sammlung von Dr. Ernst Dübi, einem bekannten Namen aus der Gründerzeit der Schweizer Museumsbahnbewegung, über. Ihm ist auch der Erhalt anderer Dampfloks, wie zum Beispiel des ebenfalls im Verkehrshaus ausgestellten „Gnom“ zu verdanken. Im Jahr 1959/60 wurde die „Langnau“ im letzten noch regulär betriebenen Dampflokwerk der SBB in Biel umfangreich revidiert. Ab 1960 kam sie sporadisch vor Jubiläumszügen oder für museale Sonderfahrten der SBB (!) bis 1970 vor allem im Jura und Mittelland zum Einsatz. Beim Jubiläum der Strecke nach Pontarlier befuhr sie sogar französische Gleise! Letztmals war sie 1970 zwischen Vallorbe und le Day im aktiven Einsatz. Danach wurde sie im Depot Vallorbe, dem damaligen Aussenlager des Verkehrshauses, zusammen mit anderem historischem Rollmaterial remisiert. Sie gilt somit als eine der ersten betriebsfähig aufgearbeiteten museal erhaltenen Dampflokomotiven der Schweiz. Zum Vergleich: Der letzte reguläre Dampfzug der SBB verkehrte erst 1968!
Im Jahr 1980 gelangte die „Langnau“ in die Ausstellung des Verkehrshauses nach Luzern, wo sie bis im Jahr 2016 ausgestellt war. Ab dann wurde sie in Goldau und dann im Aussenlager in Rain verwahrt. Von dort wird sie nun ihre Reise zurück in ihre alte Heimat antreten.
(Quellen: Bücher von Alfred Moser, Ausgabe 1922 + 1936 / Erzählungen von Zeitzeugen)
Technische Daten

Allgemeine Daten
| Bezeichnung | Nassdampf-Tenderlokomotive |
| Achsfolge | C |
| Baujahr | 1881 (Kessel 1909) |
| Erbauer | SLM |
| Fabriknummer | 229 |
| NVR-Nummer | 90 85 0007 203-2 |
| Kaufpreis im Herstellungsjahr | 36’000.– |
| frühere Besitzer | EB, Von Roll, Sammlung Dr. Ernst Dübi, Verkehrshaus der Schweiz |
| Leistung | 300 PS |
| Höchstgeschwindigkeit | 50 km/h |
| Zustand | Stationierung in Konolfingen In Betrieb |
Masse und Gewichte
| Länge über Puffer | 8530 mm |
| Zylinderdurchmesser | 340 mm |
| Kolbenhub | 500 mm |
| Triebraddurchmesser | 1320 mm |
| Achsstand total | 2900 mm |
| Gewicht leer | 22.6 t |
| Dienstgewicht | 30.6 t |
| Adhäsionsgewicht | 30.6 t |
Kessel
| Heizfläche Feuerbüchse | 5.3 m2 |
| Heizfläche total | 63.4 m2 |
| Rostfläche | 1 m2 |
| Siederohre Anzahl | 137 Stk. Länge 3000 mm |
| max. Dampfdruck | 12 bar |
Vorräte
| Kohlevorrat | 2 t |
| Wasservorrat | 3.9 m3 |